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Nikotin

Machen E-Zigaretten abhängig? Das ist die Frage, die sich das Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim (ZI-Mannheim) stellt. Eine Frage, die sich auch Konsumenten der E-Zigarette oft stellen, zumal sie diese „Nikotinabhängigkeit“ aus ihrer Zeit als Raucher noch sehr gut kennen. Ob es wirklich das Nikotin allein ist, oder ob die Abhängigkeit im Zusammenhang mit Tabak zu sehen ist, das sollte wirklich einmal objektiv geklärt werden. Die wissenschaftliche Welt ist sich darüber uneins. Die einen vergleichen Nikotin mit Koffein (kurzzeitige Effekte und schneller Abbau), andere sehen darin den suchterzeugenden Stoff.

Der schwedische Psychologe Karl Olov Fagerström, der Bekanntheit erlangte durch seine Forschung zur Tabakabhängigkeit, entwickelte einen international anerkannten Test, der durch Befragung des Probanden dessen Zigarettenabhängigkeit dokumentiert. Im Jahr 2010 benannte er seinen Fagerströmtest für Nikotinabhängigkeit in Fagerströmtest für Zigarettenabhängigkeit um. Er fand heraus, dass die Abhängigkeit auch durch andere Stoffe im Tabakrauch begünstigt wird.

Dennoch bleibt die Frage, welche Rolle das Nikotin dabei genau spielt und wie sich das auf E-Zigaretten Nutzer auswirkt, die nikotinhaltige Liquids verbrauchen. Besonders vor dem Hintergrund der oft zitierten Befürchtung von E-Zigaretten Gegnern, dass diese Geräte eine neue Generation von Nikotinsüchtigen heranzüchten. Ist das wirklich so?

Im Vorfeld der Studie kam das Institut auf uns als Verband zu, damit wir eine Art technische Beratung leisten können. Dieses Gespräch fand in konstruktiver und freundlicher Atmosphäre statt, viele unserer fachlichen Anregungen wurden interessiert aufgenommen. Aus unserer Sicht sind solche Gespräche durchaus grundsätzlich dazu geeignet, die Qualität der Studien in unserem Themenbereich zu verbessern. Viele Betrachtungen von außen auf E-Zigaretten und ihre Nutzer unterliegen immer noch erheblichen Fehlschlüssen und Missinterpretationen, die sich aber im Gespräch mit Konsumentinnen und Konsumenten ausräumen lassen.

Der Ablauf der Studie

Neben einem Fragebogen zum E-Zigaretten Konsum werden auch neuropsychologische Tests und eine MRT Untersuchung durchgeführt. Die Probanden erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung. Ort der klinischen Studie wird Mannheim sein. Das Teilnehmerprofil sieht folgendermaßen aus:

  • Männer und Frauen zwischen 18 und 65 Jahren
  • tägliche Nutzung von E-Zigaretten
  • keine schweren körperlichen oder psychische Erkrankungen
  • drogenfrei (wird mit Urintest überprüft)
  • keine Metallteile im Körper (wegen der MRT Untersuchung)

Bedenken bei der Teilnehmerauswahl

In der Ausschreibung des Instituts in Mannheim steht noch die Ergänzung „zusätzlicher Tabakkonsum ist kein Ausschlusskriterium“. Wir haben den Forschenden unsere Bedenken mitgeteilt, dass der Dual Use ein sauberes Ergebnis durchaus verfälschen kann und damit auch die Belastbarkeit der Ergebnisse leidet. Es wäre aus unserer Sicht wünschenswert, wenn sich nur reine E-Zigarettennutzende anmelden würden. Die Eingangsfrage „Machen E-Zigaretten abhängig?“ sollte den Stoff Nikotin dann auch losgelöst vom Tabakrauch betrachten. Sofern in der Studiendurchführung eine Differenzierung möglich ist (Niemals-Raucher / Umsteiger, die nur noch dampfen / Dual User), könnte man sicherlich interessante Ergebnisse erwarten. Die Forschenden sagten zu, so weit wie möglich ausdifferenzieren zu wollen, wir halten die Einbeziehung von Dual Usern aber unbenommen davon für einen unnötigen Störfaktor.

Detaillierte Informationen rund um diese Studie, die bis Oktober 2023 läuft, sowie die Anmeldedaten falls eine Teilnahme gewünscht ist gibt, es unter https://www.zi-mannheim.de/forschung/probanden-gesucht/machen-e-zigaretten-abhaengig.html

 

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