Prohibition does not work

Verbote funktionieren nicht! Das war das Resümee der diesjährigen Konferenz „Global Forum on Nicotine“ (GFN) vom 03. bis 05.06.2026 in Warschau. Seit nun schon 13 Jahren treffen sich in Warschau Wissenschaftler, Politiker, Medienschaffende, Verbände und Interessierte aus aller Welt, um über aktuelle Fragen rund um das Thema Tobacco Harm Reduction (Schadensminimierung bei Rauchern) zu debattieren. Das diesjährige Motto lautete „Prohibition and public health“. Es ging hier also um Verbote im Bereich der Tabaksubstitute wie die E-Zigarette, Snus, Pouches, und Tabakerhitzer, die den Raucher zum Umsteigen und Aufhören des Rauchens bewegen sollen. Diese Alternativen zum Verbrennungstabak sind weltweit stark reglementiert und teils sogar verboten. Die GFN Konferenz beleuchtete die unterschiedlichen Reglementierungen und deren Auswirkungen auf Konsumentenverhalten, Markt, Gesundheit und soziale Akzeptanz.

 

Ein Blick in die Geschichte

Bei Prohibition denkt man unwillkürlich an das amerikanische Alkoholverbot, das 1920 landesweit in Kraft trat. Im Rückblick der Geschichte wurde deswegen nicht zwingend weniger getrunken. Zwar gab es weniger Fälle von Leberzirrhose, Eine Krankheit die tödlich verlaufen kann, aber es gab auch signifikant erhöhte Zahlen von Trunkenheit am Steuer – und damit verbundene Unfälle. Ein weiteres Problem der Zeit: die Verwendung von hochgiftigem Methanol zur Alkohol Destillation. Im Verlauf der gesamten Prohibition sind etwa 10.000 Todesfällen durch schwere Vergiftungen dokumentiert. Die Vielzahl von privaten Brennereien machte eine Qualitätskontrolle unmöglich. Und die Mafia besetzte die entstandene Marktlücke in kürzester Zeit. All diese unkontrollierbaren Auswüchse, besonders in der organisierten Kriminalität, veranlassten den Präsidenten Herbert Hoover im Jahr 1933 die Prohibition wieder aufzuheben. 13 Jahre Chaoswirtschaft verbunden mit Mord und Totschlag waren mehr als genug.

 

Länder mit Komplettverboten von E-Zigaretten

  • Asien: Thailand, Singapur, Indien, die Malediven, Kambodscha, Brunei, Vietnam und die Vereinigten Arabischen Emirate.
  • Amerika: Mexiko, Brasilien, Argentinien und Kuba.
  • Naher Osten: Katar, Bahrain, Kuwait, Oman und der Libanon.
  • Afrika und Ozeanien: Australien und die Seychellen.

Trotz eines Totalverbots von Einfuhr, Handel und Nutzung gibt es für fast jedes dieser Länder erstaunlicherweise valide Zahlen über Marktentwicklungen! Märkte in Ländern, in denen das gar nicht möglich sein sollte!? Damit kann ja nur ein florierender Schwarzmarkt gemeint sein. Beispiel Indien: ein indischer Podiumsteilnehmer berichtete, dass man nahezu überall auf dem Subkontinent völlig ungehindert und offen Vaping Produkte erwerben kann. Es gibt sogar deutlich mehr Dampfer, als vor dem Verbot. Dasselbe berichtete auch ein mexikanischer Investigativjournalist für sein Land. In Mexiko gibt es das Verbot seit 2019, aber offenbar hält sich niemand dran. Zudem haben die 4 großen mexikanischen Drogenkartelle den Handel und Vertrieb der Vapes komplett übernommen und diese ziehen seitdem auch in diesem Produktbereich eine Spur aus Blut hinter sich her.

Australien dagegen ist ein deutlich westlich geprägtes Land mit erheblich weniger offener Korruption und sicherlich nicht so starken Einfluss von Drogenkartellen. Dennoch existiert ein florierender Schwarzmakt bei Tabak und Alternativprodukten. Letztere sind verboten und der Tabak hat eine der höchsten Besteuerungen weltweit. Dennoch sind alle Produkte verfügbar und es gibt eine bemerkenswerte Tatsache, die aufhorchen lässt: Trotz der sehr starken Restriktionen steigt derzeit sowohl die Zahl der Raucher, als auch die der E-Zigaretten Nutzer an! Und auch hier gab es bei Auseinandersetzungen zwischen kriminellen Banden bereits Tote.

 

Länder mit Aromenverboten

  • Europa: In der EU haben Länder wie Finnland, Estland und Litauen den Verkauf von aromatisierten Liquids bereits vollständig verboten. In den Niederlanden, Belgien und weiteren EU-Staaten gibt es sehr strenge Regulierungen, die den Verkauf von fast allen Geschmacksrichtungen außer Tabak verbieten.
  • China: Der Verkauf von E-Zigaretten mit Fruchtgeschmack ist seit Längerem verboten (Tabakaromen sind erlaubt).
  • USA: In Massachusetts, Kalifornien und im District of Columbia existiert ein Verbot für fruchtige Aromen.

Der US-amerikanische Markt ist gespalten. Je nach Bundesland variieren die Regularien sehr stark. Erwartungsgemäß führt das zu Marktverschiebungen innerhalb der einzelnen Staaten. Analysten haben festgestellt, dass immer noch 97,8% aller E-Liquids aromatisiert verkauft werden. In den Staaten, wo das legal nicht mehr geht, bezieht der Konsument eben über einen Nachbarstaat. Am Beispiel von Massachusetts wurde errechnet, dass nach dem Wegfall der Liquidsteuer Einnahmen  90% dieser Einnahmen in die angrenzenden drei Bundesstaaten abgewandert sind. Eine Änderung im Nutzerverhalten war auch nicht festzustellen. Unmittelbare Profiteure des Aromenverbots sind also die jeweils anliegenden Bundesstaaten. Deren Finanzminister könnten wohl jedes Jahr ein herzliches Dankeschön an den Gouverneur von Massachusetts schicken.

 

Soziale und politische Akzeptanz

Schweden gilt als Vorzeigemodell der Tabakkontrolle. Die WHO definiert ein Land als tabakfrei, wenn deren Raucherquote unter 5% sinkt. Schweden bewegt sich seit Jahren genau um diese Grenze herum und ist damit das Land mit der niedrigsten Quote. Erreicht haben sie das mit einem Alternativprodukt, das ansonsten fast überall verboten ist: Snus. Die Akzeptanz von Snus als Tabakalternative ist in der Bevölkerung derart hoch, dass nicht mal sehr kritische Politiker es wagen, dagegen zu arbeiten. Und natürlich wird Snus trotz des Verbots überall trotzdem gehandelt, auch im Nachbarland Finnland. Eine schwedische Delegierte der Konferenz konnte darlegen, dass die Raucherquote in Finnland trotz eines fast identischen Snus-Marktes nicht mal annähernd so niedrig ist. Sie führt dies auf die soziale Akzeptanz der Bevölkerung zurück – trotz ähnlicher Sozialisation und Geschichte.

Die Mechanismen, die zu diesen Auswirkungen führen, sind dabei weltweit die immergleichen. In Zeiten der sozialen Medien und mangelhafter Inhaltskontrollen ist es unfassbar einfach geworden, Fehlinformationen oder auch Verschwörungstheorien einer breiten Masse zu offerieren. Das prominenteste Beispiel dürfte sicherlich der aktuelle amerikanische Präsident mit seinen alternativen Fakten sein. Eine beispiellose Verzerrung von Inhalten mit dem Ziel, die eigene Agenda umzusetzen. Es geht solchen Leuten nie um die Wahrheitsfindung oder ergebnisoffene Diskussionen. Es geht um manipulative Durchsetzung von Ideologien. Und dabei wird die gesamte Klaviatur der medialen Optionen bespielt.

Desinformationen lassen sich nicht mit Polemik bekämpfen. Eine Änderung in der Haltung wird nur durch Erfahrung und Aufklärung bewirkt – und das braucht Zeit. Auch die Bereitschaft, sich einmal die zweite Seite der Medaille anzuschauen, muss natürlich zumindest latent vorhanden sein. Genau dafür steht die jährliche GFN-Konferenz in Warschau! Heute bestreitet niemand mehr ernsthaft, dass die E-Zigarette um Größenordnungen weniger Schadstoffe emittiert, als die Tabakzigarette. In den Köpfen der Menschen sieht das jedoch anders aus. Geprägt von anhaltenden negativen Artikeln, die zumeist die eigenen Vorurteile bestätigen, hat sich dieses Bild festgesetzt. Das wieder gerade zu rücken, ist der viel schwierigere Part.

 

Fazit der Konferenz

Die diesjährige Konferenz unter dem Motto Verbote und deren Auswirkungen untermauerte alle geäußerten Befürchtungen eindrucksvoll mit Zahlen und Beispielen. Nahezu alle genannten Bedenken bezüglich zu starker Regulierung sind genauso oder noch krasser auch eingetreten!

  • keinerlei Änderungen im Nutzerverhalten
  • Verlagerung des Marktes auf unregulierte Quellen
  • keinerlei Kontrolle mehr über Inhaltsstoffe
  • Zunahme der organisierten Kriminalität
  • wirksamer Jugendschutz wird ausgehebelt
  • Wegbrechen der Steuereinnahmen

Besonders der letzte Punkt ist von politischer Brisanz. Durch die schleichende Zerstörung des legalen Marktes werden nicht nur die Tabaksteuereinnahmen pulverisiert. Auch Mehrwertsteuer und Einkommensteuer sowie Gewerbesteuer tauchen in keiner Bilanz mehr auf! Das hat dann auch Auswirkungen auf klamme öffentliche Kassen und bedroht den sozialen Frieden durch weitere unabwendbare Einsparungen. Eine maßvolle zielgerichtete Regulierung dagegen ermöglicht auch wirtschaftliches Wachstum.

 

Beitragsbild von Simon Bauer

Prohibition does not work
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Bundesverband Rauchfreie Alternative e. V.
Der BVRA e. V. ist ein unabhängiger Konsumentenverband. Wir setzen uns ein für die Tobacco Harm Reduction und eine Beurteilung aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse.
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