Das Jahr 2025 brachte in Deutschland keine Fortschritte in der Bekämpfung des Tabakkonsums und damit verbundenen Erkrankungen (jährlich ~440000 Hospitalisierungen in Deutschland) und vermeidbaren Todesfällen (jährlich ~120000 Tabaktote in Deutschland). Die Raucherquote bewegt sich laut DEBRA weiterhin bei ca. einem Drittel der erwachsenen Bevölkerung und ca. einem Zehntel der Jugendlichen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Rauchstoppversuche auf einem sehr niedrigen Niveau von ca. 9% eingependelt. Deutlich weniger schädliche E-Zigaretten werden seit Jahren stabil von ca. 3% der Erwachsenen und schwankend zwischen 2% und 4% der Jugendlichen konsumiert. Pouches, die wohl am wenigsten schädlichen Nikotinprodukte, sind in Deutschland weiterhin nicht regulär erwerbbar. Politik, Ärzteverbände, Tabakkontrolle und Medien stehen diesen Zahlen hilflos gegenüber und ignorieren oder bekämpfen gleichzeitig das Konzept der Tobacco Harm Reduction.
Als Konsumentenverband für risikominimierte Alternativprodukte zur klassischen Verbrennungszigarette haben wir diesbezüglich Verbandsarbeit auf diversen Ebenen betrieben. Dabei waren die für uns wichtigen Ziele, mit Verantwortlichen direkt ins Gespräch zu kommen, an Prozessen aktiv mitzuarbeiten und unsere Vernetzung außerhalb der Dampferszene voranzutreiben. Folgend ein Rückblick auf unser Jahr mit Auszügen aus den Verbandsaktivitäten und ein Ausblick auf 2026.
Politik
Mit dem Aus der Ampel Ende 2024, dem einsetzenden Wahlkampf und der Neuwahl des Bundestages Anfang 2025 ist Deutschland mit einem politischen Knall in das neue Jahr gestartet. Hier konnten wir passend die zuvor bei den Parteien abgefragten Vorstellungen zur Regulierung der E-Zigarette interessierten Wählern präsentieren. Gleichzeitig haben wir eine Konsumentenbefragung durchgeführt, ob ein eventuelles Aromenverbot die Wahlentscheidung von Wählern beeinflussen würde. Die Ergebnisse von starken 4256 Teilnehmern konnten wir dann wiederum den Parteien präsentieren. Wie von uns bereits kurz nach der Wahl prognostiziert, scheint die neue schwarz/rote Bundesregierung kein akut erhöhtes Interesse an einer Neuausrichtung der Tabakpolitik zu haben. Abseits von Pflichtterminen, wie z.B. dem Weltnichtrauchertag, spielt das Thema keine Rolle. Zu diesen Terminen jedoch wird dann aber die gesammelte Hilflosigkeit deutlich, was wir in einer Stellungnahme kommentiert haben. Prof. Dr. Hendrik Streeck nimmt dabei als neuer Bundesdrogenbeauftragter berufsbedingt eine Sonderstellung ein, weswegen wir ihm nach mehreren erfolglosen Kontaktversuchen einen offenen Brief zukommen ließen. Mit Blick auf die regelmäßig aus unterschiedlichen Ecken geforderten Verbote von Aromen für E-Zigaretten, haben wir in einer weiteren Stellungnahme weltweite Prohibitionen rund um die E-Zigarette gesammelt und deren reale Auswirkungen auf den Schwarzmarkt dargestellt.
Aktive Mitarbeit an politischen Prozessen
Als Konsumentenverband sind wir nicht mit dem Anspruch gestartet, jegliche öffentliche Äußerungen mit einem polternden Blogbeitrag zu begleiten. Das Ziel war von Beginn an Prozesse mitzugestalten, mit am Tisch zu sitzen. Dieses Ziel kann nur durch seriöses Arbeiten und Auftreten erreicht werden, was meist leise und im Hintergrund vonstatten geht. In diesem Bereich konnten wir uns 2025 weiter als relevanter Stakeholder für die Konsumenten etablieren: Nachdem wir im Scopingprozess zur Aktualisierung des Landesnichtraucherschutzgesetzes in Baden-Württemberg bereits die Problematik der Gleichtstellung von Tabak- und E-Zigarette auf die Themenlandkarte hieven konnten, wurden wir für das tatsächliche Bürgerforum dann als Experten berufen. Und auch das Bundesministerium der Finanzen lud uns zum Thema der Tabaksteuerpläne der EU an den runden Tisch. Darüber hinaus konnten wir unseren Platz im DIN-Verbraucherrat weiter etablieren und wichtige Akzente bei zukünftigen Normierungen von E-Zigaretten setzen.
Verbraucherschutz
Für kurze Verunsicherung unter Konsumenten sorgte ein Urteil des OLG Köln zur Benutzung von E-Zigaretten am Steuer. Hier konnten wir zur Aufklärung beitragen. Und auch das Thema von Drogen in Vapes bleibt weiterhin aktuell. Seriös und unaufgeregt hat an dieser Stelle für uns Stefanie Bötsch mit ihrer Expertise das Thema beleuchtet und sowohl Görke & Ballerliquids erkärt, als auch die Wichtigkeit reguläre E-Zigaretten und Liquids dadurch nicht in Veruf zu bringen dargestellt, was auch unsere Vernetzung außerhalb der klassischen E-Zigaretten-Szene vorangebracht hat.
Ausblick auf 2026
Politisch werden im kommenden Jahr aufgrund klammer Kassen voraussichtlich Gesundheitskosten und Beiträge zu Krankenkassen eine große Rolle spielen. Hier könnten E-Zigaretten und Nikotin-Pouches einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Kosten im Gesundheitssystem leisten – wenn sie denn politisch als solche anerkannt würden. Aromen, Jugendschutz und Disposables sind als Themen viel zu einfach falsch zu instrumentalisieren, so dass sie auch im kommenden Jahr immer wieder auftauchen werden. Das Thema der Besteuerung wird ebenfalls zurückkommen, nachdem ein Gericht die Besteuerung von Vorprodukten (wie z.B. Glycerin) als unzulässig bezeichnet hat. Ob dies in Folgeverfahren jedoch Bestand haben wird oder sowieso von der voranschreitenden Besteuerungsdebatte auf europäischer Ebene überrollt wird, bleibt abzuwarten. Und mit Silvester nähern wir uns nun dem nächsten Pflichttermin und werden vermutlich zeitnah neue undifferenzierte Appelle zu Tabak und E-Zigaretten hören.
Wir wollen Silvester dazu nutzen uns bei allen Mitarbeitern, Begleitern, Unterstützern und Mitgliedern für die Zusammenarbeit im zurückliegenden Jahr zu bedanken und wünschen einen geruhsamen Jahresausklang und verabschieden uns mit einem Zitat aus dem Hause DKFZ:
Im Vergleich zur Tabakzigarette enthält das Aerosol von E-Zigaretten deutlich weniger Schadstoffe, auch in geringeren Konzentrationen. Insofern können wir davon ausgehen, nach allem was wir wissen, dass die E-Zigarette weniger schädlich ist als die herkömmliche Zigarette.[…]
Die E-Zigarette kann beim Rauchstopp helfen. Wir haben mittlerweile eine große Zahl an Studien die zeigen, dass sie sogar besser funktioniert als Nikotin-Ersatzprodukte.
– Prof. Dr. Ute Mons, in: Vapes – Chinas süßes Gift, ZDF, 06.11.2025, ab Minute 06:37.

bvra

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